- Allgemeine Physiotheraphie
Die Physiotherapie ist die wichtigste Behandlungsmethode gegen Skoliose. Sie muss angepasst werden an:
- die Form der Skoliose
- den Grad der Skoliose
- das Alter des Patienten
Wenn die erwarteten Ergebnisse nicht erreicht werden, sollte die Physiotherapie durch eine orthopädische Behandlung (Orthese) ergänzt werden.
- Die Korsett / Orthese
Die Orthese korrigiert bestehende Deformationen und ermöglicht eine harmonischere Entwicklung der Wirbelsäule während des restlichen Wachstums. Sie wird dem Wachtum des Kindes oder des Jugendlichen angepasst.
Eine Orthesebehandlung beginnt ab einer Krümmung von 20° (Cobb-Winkel) oder auch etwas früher.
- Chirurgische Behandlung
Ein chirurgischer Eingriff wird durchgeführt, wenn die Physiotherapie und der Einsatz einer Orthese nicht ausreichend sind. Er erfolgt am Ende des Wachstums, um spätere Komplikationen zu vermeiden. Die Krümmung der Wirbelsäule wird beispielsweise mithilfe von Stäben korrigiert, die die Wirbel in ihrer geringstmöglichen Krümmung ausrichten.
- Haltungskorrektur-Bewegung
Charlie Marionette ist eine Bewegung, die für jeden geeignet ist. Sie stellt die physiologische Körperhaltung dar.
Ziel: Die physiologische, vertikale Haltung im Stehen stärken.
Position:
- der Patient steht in physiologischer Haltung, d.h.
- das Becken, die Schultern und die Wirbelsäule sind zentriert und nicht zur Seite verschoben
- die Fersen sind vertikal unter den Hüftgelenken positioniert
- die Füße sind leicht geöffnet (Stand 11:05 Uhr), das bedeutet, dass der Vorfuß und die Zehen leicht nach außen gerichtet sind
- die Zehen liegen flach auf dem Boden, sie sind nicht gebeugt, wie z.B; beim Bleistift aufheben
- die Arme hängen entspannt nach unten
- das Kinn ist leicht eingezogen
- der Blick des Patienten ist horizontal
Aktion:
- Die Zehen drücken flach auf den Boden, sie sind nicht angespannt, und die große Zehe (Hallux) hebt sich nicht.
- Die Fersen erzeugen eine Spannung nach innen, bleiben jedoch auf dem Boden. Diese Spannung/Rotation nach innen ist notwendig, um bereits die Kontraktion des Beckenbodens zu aktivieren.

- Wenn der Patient Schwierigkeiten hat, die Fersenrotation zu verstehen, ist es notwendig, mit folgenden Übungen zu beginnen:
- Das Fußgewölbe oder der innere Knöchel hebt sich, während die Zehen fest am Boden bleiben.
- Das Schienbein oder Knie dreht sich nach außen.
- Die beiden Knie sind gestreckt, aber nicht überstreckt, die Kniescheiben leicht nach außen gedreht.
- Kontraktion des Beckenbodens, insbesondere des Anus (indem man sich vorstellt, der Anus wird in die Körpermitte und nach oben gezogen), oder der Patient zieht das Steißbein nach vorne, ohne die Gesäßmuskulatur anzuspannen.
- Kontraktion der unteren Gesäßmuskeln, man versucht diese “unter dem Becken zu verstecken“. Die Gesäßmuskeln so gut wie möglich zusammenzuziehen.
- Kontraktion der Bauchmuskeln (unterhalb des Bauchnabels), das Schambein wird angehoben (darauf achten, das Becken nicht zu stark nach hinten kippt, um eine Lendenkyphose zu vermeiden.
- Die Person spannt den Anus (A), die Gesäßmuskeln (G) und den Bauch (B) unterhalb des Bauchnabels an.
- Die Buchstabenfolge AGB ist die Reihenfolge der Muskelkontraktionen.
- Die Reihenfolge der Bewegungen AGB darf nicht geändert werden!
Ausnahme: Sollte die Position des Kreuzbeines am Röntgenbild (Profilaufnahme) zu senkrecht sein, bzw. weniger als 30° aufweisen, wird nicht der Anus angespannt, sondern “versucht zu verhindern Pipi zu machen”. - Charlie ist eine Marionette, also: Es gibt einen imaginären Faden, der vom Kopf zur Decke geht und die Person nach oben zieht. Ausführung „Marionettenfaden“, um sich leicht aufzurichten (Achtung: nicht maximal).
- Die Schultern arbeiten nicht, sie ruhen sich aus, die Schulterblätter gleiten leicht diagonal nach unten zur Wirbelsäule. Achtung, sie dürfen sich nicht horizontal annähern!
Am Anfang wird diese Bewegung wiederholt, ohne lange in der Position zu verharren, um einen Automatismus zu entwickeln.
Sobald die Bewegungen kontrolliert durchgeführt werden, bleibt der Patient so lange wie möglich in dieser Position.
Vergleich der neutralen Haltung und der Charlie-Haltung:
Beispiel für neutrale/alltägliche Positionen:
- die Position der Knie ist anders und sie sind durchgestreckt
- das Becken ist nach rechts verschoben
- der Bauch wird nach vorn gedrückt
- die Gesäßmuskulatur ist entspannt (Birnenform)
- die Schultern sind nach vorn eingerollt
- die linke Schulter ist angehoben (Schlüsselbein stärker geneigt)
Charlie-Positionen:
- die Knie befinden sich fast in einer physiologischen Position (leicht gebeugt)
- das Becken ist zentriert
- der Bauch ist flacher
- die Form der Taille ist…
- die Gesäßmuskeln sind angespannt (Apfelform)
- die Schultern sind offener
- die linke Schulter ist nicht mehr angehoben




